Golf&Natur/Lebensraum Golfplatz: Gottesanbeterin auf dem Golfplatz
Liebe Mitglieder, liebe Gäste,
In den Medien wurde in letzter Zeit wiederholt über die zunehmende Ausbreitung der Gottesanbeterin (Mantis religiosa) in Deutschland und auch in Hessen berichtet. Noch vor wenigen Jahrzehnten war sie in Deutschland eine seltene Erscheinung aber der besonders warme Sommer 2026 hat die Entwicklung der Gottesanbeterin deutlich beschleunigt und es wurden bundesweit außergewöhnlich viele Beobachtungen gemeldet.
Auch auf unserem Golfplatz wurde schon eine Gottesanbeterin gesichtet und von einem aufmerksamen Mitglied dokumentiert-vielen Dank für die Fotos!
Bei der Artenbestandsaufnahme im FGC 2022 wurden Heuschrecken als gesonderte Art erfasst, besonders erwähnenswert sind wärmeliebende Heuschreckenarten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, die Italienische Schönschrecke und die Westliche Beißschrecke, die durch die verbreitete Zerstörung ihres Lebensraums gefährdet sind und die in den Roten Listen geführt werden. Eine Gottesanbeterin, die einzige Vertreterin der Fangschrecken in Mitteleuropa, wurde damals nicht dokumentiert. Sie steht nach der Bundesschutzverordnung unter besonderem Schutz, und darf weder gefangen noch gehalten werden. Umso schöner, dass auch diese Insektenarten auf unserem Golfplatz geeignete Lebensbedingungen finden.
Die Gottesanbeterin ist eine wärmeliebende Fangschrecke und gilt als Profiteurin des Klimawandels. Schon die alten Ägypter und Römer waren von ihr fasziniert und verewigten die Europäische Gottesanbeterin, Mantis religiosa, auf Bildnissen und Münzen. Der Gattungsname Mantis stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Seherin“ oder „Wahrsagerin“. Ihren Artnamen religiosa verdankt sie ihren zwei Fangbeinen, die sie in Ruhestellung vor dem Körper hält und damit an zum Gebet erhobene Arme erinnert. Doch hinter den scheinbar in Andacht gefalteten Händen verbirgt sich nichts anderes als das geduldige Warten auf Insekten aller Art. Mit einer Größe von bis zu acht Zentimetern bei den Weibchen ist die Gottesanbeterin ein beeindruckendes, zugleich aber gut getarntes Insekt. Je nach Umgebung ist sie grün oder braun gefärbt. Mit ihren kräftigen, dornenbesetzten Fangbeinen erbeutet sie vor allem Heuschrecken, Fliegen und andere Insekten.
Die erwachsenen Gottesanbeterinnen erscheinen meist ab Ende Juli und sind bis zu den ersten frostigen Nächten im Herbst aktiv. Zuvor durchlaufen die jungen Tiere mehrere Larvenstadien und häuten sich mindestens sechs Mal.
Im Spätsommer beginnt die Paarungszeit. Dabei kann es vorkommen, dass das deutlich kleinere Männchen vom Weibchen während oder nach der Paarung gefressen wird. Dieser sogenannte Sexualkannibalismus ist zwar bekannt, tritt in der freien Natur aber nicht bei jeder Paarung auf.
Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier in sogenannten Ootheken ab. Diese schaumartigen Eipakete können bis zu 200 Eier enthalten und überwintern gut geschützt in der Vegetation. Im folgenden Frühjahr schlüpfen die jungen Nymphen und beginnen ihren Entwicklungszyklus von Neuem.
Wer eine Gottesanbeterin entdeckt, sollte die Beobachtung möglichst fotografieren und melden (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, NABU /naturgucker). So kann die weitere Ausbreitung der faszinierenden Fangschrecke besser dokumentiert und verfolgt werden.
Wir freuen uns, wenn Sie weiter Ihre eigenen Beobachtungen zu Flora und Fauna auf dem Golfplatz mit uns teilen und besonders natürlich über Fotos.
Ihre Dr. Sabine Luft
G&N-Koordinatorin
(Platzausschuss/Golf & Natur)


